Heavy Metal Reviews

Location: Essigfabrik, Köln

e-Trado GmbH

Architects mit Stray From The Path, Northlane und More Than Life

Heavy Metal Reviews

(15. April 2014) Immerhin konnte das sechste Album den Briten ARCHITECTS den Durchbruch bescheren. Recht hohe Charplatzierungen, überragende Kritiken und ausverkaufte Shows sind das Ergebnis von "Lost Forever // Lost Together". Der technische Metalcore der Gruppe konnte noch nie so viele Leute begeistern wie zur Zeit - nicht einmal während der "Hollow Crown"-Ära. Somit sind die gut 1200 Karten für die Kölner Essigfabrik so gut wie ausverkauft. Am Tag der Show postet ARCHITECTS, dass es nur noch 16 Karten an der Abendkasse geben wird.
Als MORE THAN LIFE die Bühne betritt ist die Location schon fast komplett gefüllt. Nur hinten gibt es noch ein bisschen Luft und Raum zu ergattern. Einen Tag vor der Show erschien endlich das zweite Album der düster-melodischen Hardcore-Truppe, "What's Left Of Me". So wirklich passt MORE THAN LIFE nicht in das Package, da die anderen Bands schon eher auf Breakdowns setzen. Dennoch scheint der ein oder andere Fan vor der Bühne zu stehen. Besonders bei den Songs der Debüt-EP "Brave Enough To Fail", welche übrigens extrem stark in der Setlist vertreten ist, wird dies deutlich, wie der heutige Opener 'Faceless Name' beweisen kann. Auch die neues Material wie 'Weight of The World' und die JOY DIVISION-mäßige Post-Punk/Alternative Rock-Nummer 'Do You Remember?' kommen gut an. Zwar passiert auf der Bühne nicht wirklich viel, trotzdem ist die Show ein voller Erfolg, denn im Showverlauf scheint der Applaus immer lauter zu werden. Ein ziemlich schnell gespieltes 'Love Let Me Go' beendet das Set von MORE THAN LIFE nach etwas mehr als 25 Minuten.
Als nächstes ist NOTHLANE an der Reihe. Ich bin erstaunt, wie viele Fans die Australier haben. Das vordere Reihendrittel mutiert zur Hüpfburg, während das Quintett Metalcore-Nummern zwischen brutalen Breakdowns und viel Technik zelebriert. Obwohl die Songs in den schnelleren Passagen oft an den Matheunterricht erinnern und zum mitzählen einladen, in den Ruhigeren jedoch atmosphärisch wie die DEFTONES klingen, scheint das junge Publikum sehr viel Freude an der Performance zu haben. Besonders Sänger Adrian Fitipaldes überzeugt nicht nur durch sein Gebrüll (sowie ein paar melodischere Gesangslinien), sondern auch mit seiner sympathischen Art zwischen den Liedern. Geboten werden sieben Songs, welche ausschließlich auf dem aktuellen Album "Singularity" zu finden sind. Unter diesen stechen besonders 'Windbreaker' und 'Worldeater' heraus. So wie das Publikum heute auf der Seite von NORTHLANE war, würde es mich nicht wundern, wenn die Australier bald selber als Headliner auftreten werden.
Bei STRAY FROM THE PATH geht sogar noch mehr! Mir persönlich gibt die Gruppe gar nichts. Geboten wird eigentlich etwas härterer Nu Metal mit ein paar Breakdowns. Früher hätte man so eine Band genauso wenig beachtet wie DOWNTHESUN, heutzutage ist man direkter Support für den Headliner. Was man dem Quartett allerdings zu Gute halten muss ist, dass sich die Jungs ordentlich auspowern und das Publikum in der Hand haben. Fan werde ich dennoch keiner mehr werden. Auch das DEEZ NUTS-Cover 'Stay True', bei welchem sogar DEEZ NUTS-Sänger JJ Peters die Bühne betritt, hätte auch nicht unbedingt sein müssen.
Wie es besser geht beweist ARCHITECTS im Anschluss einer halbstündigen (!) Umbaupause. 'Gravedigger' eröffnet das Set der Briten. Schon von der ersten Sekunde an wird die Halle bis hin zum Mischpult zu einem Hexenkessel. Dies scheint Sam Carter und seine Musiker sehr zu freuen und so fordert er nicht nur einmal das Publikum auf lauthals mitzusingen. Ich habe ARCHITECTS seit 2008 ein paar Mal gesehen und noch nie war das Publikum so bewegungsfreudig wie am heutigen Abend. Nicht einmal zu Zeiten von "Hollow Crown" als die Band schon einmal kurz vor dem Durchbruch stand. Nun haben sie es ja doch geschafft, wenn auch mit Verzögerung.
Die gebotenen Songs sind eine gute Mischung aus den letzten beiden Alben, sowie drei "Hollow Crown"-Nummern und 'Day In, Day Out' von "The Here And Now". Leider gibt es nichts von "Ruin" zu hören, weil die Band das Album nicht wirklich mag. Ich schätze allerdings auch, dass die meisten Anwesenden das zweite ARCHITECTS-Album eh nicht kennen. Zumindest war ein Großteil des Kölner Publikums 2007 vielleicht 10 Jahre alt. Es sind sowieso im Besonderen die neuen Nummern, die euphorische Reaktionen der Fans hervorrufen. 'C.A.N.C.E.R.', 'Naysayer' oder 'Colony Collapse' werden in den nächsten Monaten zu ultimativen Fanfavoriten avancieren.
Nach dreizehn schweißtreibenden Songs beenden 'Early Grave' und 'Broken Cross' das reguläre Set. Doch kommt ARCHITECTS schon bald wieder für zwei Zugaben. Das melodische 'Hollow Crown' eröffnet diesen Teil der Show. Doch endet der Gig mit dem brutalen 'These Colours Don't Run', dessen Breakdown live dermaßen hart rüber kommt, dass man Angstzustände bekommt. Nach etwas mehr als 65 Minuten ist dann Schluss mit einer mehr als guten Show. Ich glaube, dass seit der "Never Say Die"-Tour 2009 kein ARCHITECTS-Auftritt so gut war wie der heutige.


Text © by Sebastian Berning